22.09.2014

Retail Ecosystems: Bringen sich nun weitere Unternehmen in Stellung?

Überdeckt vom IPO-Wirbel um die Alibaba Group fielen letzte Woche kleinere Meldungen wohl nicht sonderlich auf. So auch die Bekanntgabe der Übernahme von Commercetools durch REWESpannend ist dieser Vorgang aber trotzdem. Denn er wirft natürlich gleich die Frage auf, welche Ziele REWE – traditionell im stationären Handel beheimatet - mit dem Kauf eines Shopsoftware-Unternehmens verfolgt.

Da der Kaufpreis nicht bekannt gegeben wurde, lassen sich schwer Ableitungen treffen, auf welche Elemente der Sphere.io Technologie von Commercetools sich REWE im Rahmen einer Make- or Buy-Abwägung konzentriert hat. Wenn es beispielsweise darum geht, die unterschiedlichen unternehmenseigenen Gesellschaften zur Schaffung kanalübergreifender Angebote über eine Platform zu versorgen, könnte Sphere.io den Job übernehmen.

Sphere.io ist eine Platform as a Service Lösung und ermöglicht per REST-API die Einbindung entsprechender Commerce-Funktionen. Eine API-zentrische Architektur ist bekanntlich vorteilhaft für die Abbildung seines Angebots auf unterschiedlichen Kunden-Interfaces (wie Web, Mobile, Tablet etc.). Sie erlaubt aber auch ein Mashup mit unterschiedlichen Funktionen und damit die Einbindung von Shopping in neue Apps und Webseiten. Man darf darüber spekulieren, inwieweit REWE Dritte und Startups zukünftig mit Daten versorgen will und damit die Vorausetzungen für ein Partner-Ecosystem schafft. Jochen Krisch von Excitingcommerce.de setzt interessanterweise die Commercetools-Akquisition in eine Reihe mit den früheren Vorbereitungen für das Project Collins und berichtet nur ein Tag später über die Freigabe der Inhouse-Ecommerce Technologie von Project A an Dritte, die schon bald unter dem Namen Cryllo an den Start geht.

Der Hintergrund: Das grosse Potential liegt in der Digitalisierung des Stationär-Handels, wo der überwältigende Teil des Geschäfts stattfindet. Das Thema wird in der Mainstream-Diskussion aus einer Verteilungsperspektive betrachtet, die die gegenseitigen Einflüsse von Offline und digitaler Kanäle (Multi-, Omni-Channel) in den Fokus stellt.  Damit sollen die Leistungen letztlich kundenzentrierter werden. Automatisch dürfte dies jedoch wohl nicht passieren, wenn die Unternehmen weiterhin traditionell produkt-zentrisch agieren.

Im Handel ist eine gute Produkt-Sortimentierung - als bisheriges Kernelement - kein Garant mehr für den Geschäftserfolg ist. Um so mehr geht es darum, eine starke Kundenbindung zu erzeugen. Da der Kunde deutlich breitere Interessen hat als den reinen Produktbezug, sind komplementäre Services der Schlüssel, um ihn kontinuierlich zu binden. Um diese neuen auf Nutzwert ausgelegten Geschäftsmodelle zu entwickeln, setzen Retailer auf ein neues Business Design: Value Networks. Neue Apps und Services entstehen in digitaler Co-Produktion gemeinsam mit Partnern wie Software-Entwicklern und Startups. Und in diesem Zusammenhang dürfen zukünftig noch einige Software-Deals stehen: „Central to every value network is a platform that enables this co-production.“

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